Friede durch ein Leben für das Gemeinwohl

IVP | 28. Januar 2011 | 0 Kommentare

Friede wird durch ein Leben zum Wohle der Mitmenschen verwirklicht
Wenn wir das Universum ganz genau untersuchen, werden wir erkennen, dass nichts für sich selbst, unabhängig von einander existiert. Jede Existenz, was immer es auch sein mag, steht irgendwie in einem bestimmten Verhältnis zu einem anderen Wesen. Kein Wesen existiert also unabhängig von einander. Es ist ein Füreinanderexistieren. Es besteht ein Übergeordneter Zusammenhang. Das Universelle ist dem Individuellem übergeordnet, sowie der Gesamtzweck dem Individualzweck, somit auch der Geist dem Körper. Daher haben auch geistige Angelegenheiten den Vorrang gegenüber dem körperlichen. Es geht also um die Wiederherstellung der ursprünglichen Ordnung. Und das Praktizieren der Philosophie eines „Leben zum Wohl des Anderen“ ist der erste Schritt dazu. Die Loslösung vom Egozentrischen und der Übergang zum selbstlosen Dienst dem Mitmenschen gegenüber ist gefragt.

Zur Zeit der Gründung Koreas war die Hauptideologie die Idee des „Hongik-Ingan“ (des großherzigen Menschen). Der großherzige Mensch war ein Mensch, der immer zum Vorteil und Nutzen des anderen lebt und ihm hilfreich zur Seite steht. In dieser Idee des „Hongik-Ingan“ können die Menschen nicht voneinander getrennt sein und ein voneinander isoliertes Leben führen. Ein Mensch zu sein bedeutet danach, dass man anderen hilft und von anderen Hilfe empfängt. Also ein sich gegenseitiges Helfen. Geben und Empfangen bedeutet hier jedoch nicht, dass jemand nur einmal gibt, um mehrmals zu Empfangen, sondern zu Geben ohne dass man dabei Erwartungen setzt, dafür etwas zu bekommen.

Denselben Geist dieser Ideologie finden wir in der Philosophie von Han, nämlich, dass die Menschen eine untrennbare Verbindung miteinander haben. Han“ bedeutet „Groß“, der Himmel, der Eine und Einzige, die Gesamtheit“. Die Han-Philosophie ist ein Gedankensystem, das nicht vom Westen nach Korea kam, sondern eine rein koreanische Entwicklung, die 1960 seine Ausgereiftheit erlangt hat. Gelehrte von allen Bereichen haben begonnen die koreanische Geschichte, Sprache und Kultur neu zu untersuchen in der Bemühung das Wahre Korea zu entdecken und gleichzeitig die Basis für ein charakteristisch koreanisches Gedankensystem zu erarbeiten. Zu der Zeit gewann die koreanische Philosophie eine neue Identität, welche sich mit den Veränderungen der modernen Welt entwickeln konnte. Mit anderen Worten wurde die koreanische Philosophie als Han-Philosophie neu geboren.

Diese Art des Wertsystems der Han-Philosophie erschien bereits im frühen Altertum der koreanischen Gesellschaft. Praktische Beispiele dieses Geistes finden wir in „Samkuk-Saki“ (historische Aufzeichnungen der drei Dynastien Koreas). Dort können wir lesen, wie die Koreaner im Süden in den Bergen und Tälern zu Stämmen organisiert waren. Zurzeit von Chinhan (der alte Name von Silla und dessen Ära) gab es sechs zentrale Dörfer, die später zum Zentrum der neuen Silla Dynastie wurden. In jedem dieser Dörfer lebten mehrere Clans nebeneinander. Jedes Dorf war mit dem anderen Dorf durch ein Bündnis gegenseitiger Hilfe vereinigt.

Es gab in Silla noch eine andere Institution, die diesen Geist verkörperte, nämlich „Hwarang-do“ (Der Weg der blühenden Jugend). Der Zweck von Hwarang-do war intelligente junge Leute aus guten Familien in einer eigenen Gemeinschaft im Geist der Einheit und Zielstrebigkeit zu erziehen und zu trainieren. Wenn sie dann, was sie dort gelernt hatten, in die Praxis umsetzten, war es in erster Linie nicht im Geringsten für irgendein individuelles Interesse oder Vorteil, sondern ausschließlich für das Wohl des Landes und ihrer Rasse.

Ein Poet, Schriftsteller und Gelehrter der Silla-Dynasty, Choe Chi Won sagte, dass der Kern des geistigen Lebens von Hwarang-do darin liegt, sich ein totales, vollständiges Bild vom Leben zu machen. Die tiefe Gesamtbetrachtung ist das wesentliche. Sie studierten und kultivierten einen feinen moralischen Charakter. Sie ernteten immer Vertrauen und Respekt von den Menschen und wurden zur treibenden Kraft in der Entwicklung des Landes und der Gesellschaft ihrer Zeit. Ich persönlich war unheimlich beeindruckt, wie tief verwurzelt dieses Konzept im täglichen Leben der Koreaner steckt und trotz Einfluss individualistischer Lebensweisen noch immer praktiziert wird.

Es ist also notwendig den Standpunkt einzunehmen: Ich existiere für Dich. Friede wird nur dort entstehen, wo einer zum anderen sagt: “Ich bin für dich da” und auch danach lebt. In anderen Worten, nur wenn Familienmitglieder füreinander leben, kann die Basis für Frieden entstehen und nur dann sind die Bedingungen gegeben, auf denen Freude entstehen und erblühen kann. “Zum Wohle des anderen zu leben” ist das Prinzip des Ursprungs des Universums.

Hier beginnt das Konzept der Ewigkeit der Wahren Liebe des Wahren Ideals und des Wahren ewigen Friedens. Das wird also nur dort entstehen können, wo einer für den anderen lebt. Die Einheit dieser Welt beginnt dort, wo Menschen mehr für andere leben als für sich selbst. Das Praktizieren eines „Leben zum Wohle des Anderen“ ist der Weg zum Wahren, ewigen Frieden. Solange jemand seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellt, kann es keinen Frieden geben. Niemand anderer in der Welt als Gott selbst, hat diesen vorbildhaften Standard des Praktizierens eines Lebens zum Wohl des Anderen“ realisiert. Er hat sein gesamtes Wesen 100° in sein Schöpfungsideal investiert und arbeitet noch unermüdlich daran, dass es eines Tages seine absolute Vollendung findet. Das gesamte Universum beruht auf dem Prinzip des Füreinander-Existierens. Angefangen von der kleinsten Einheit bis zum höchsten Wesen existiert alles zum Wohl des anderen. Erst wenn der Mensch vollkommen glücklich ist, kann Gott selbst Glück und Freude erleben. Stellt jemand seine individuellen Interessen über die Interessen der ganzen Familie, kann es keine Frieden in der Familie geben. Leben Familien nur für ihre eigenen Interessen, kann es keine Frieden in der Gesellschaft geben. Praktiziert eine Nation nur eine Politik zu ihrem eigenen Interesse und Vorteil, kann es keinen Weltfrieden geben. Die meisten Religionen transzendieren zwar die nationalen Grenzen, beharren jedoch meist auf ihre eigenen Glaubensdoktrinen und alleinigen Wahrheitsanspruch, was dann zu Konflikten mit anderen führt. Solange wir unsere eigenen individuellen, familiären, gesellschaftlichen und nationalen Interessen und Vorteile in den Vordergrund stellen, wird der ersehnte Friede nur Zukunftsmusik bleiben, von dem wir nur träumen können. Der Grundsatz lautet also: Der Gesamtzweck steht über dem Individualzweck. Das ist ein universelles, himmlisches Gesetz. Wir müssen zuerst danach trachten, dass es dem Anderen gut geht, bevor wir an uns selbst denken.

Auch in der koreanischen Han-Philosophie wird in erster Linie nicht die Detailrealität in Betracht gezogen, sondern sie versucht immer die Realität als Gesamtes zu erfassen. Die Realität wird nicht als ein von zwei getrennten Einheiten Unabhängiges betrachtet, sondern als Gesamteinheit beider. Nur wenn wir die zwei als ein Gesamtes, als eine Einheit betrachten, können wir schließlich die Wahrheit entdecken. Der Ansatz der Han-Philosohpie beruht also auf ein vereinigtes Gesamtes. Was hier die Vereinigungsphilosophie auszeichnet, ist, dass sie den Ursprung dieser vereinigten Gesamtheit im Wesen Gottes begründet sieht.

Wenn wir uns nur auf eine Seite der Realität konzentrieren und lassen die andere unberücksichtigt, können wir niemals die Wahrheit einer Sache erkennen. Diese Art der Wahrheitserkennung ist eigentlich nichts Neues für die Koreaner. Wir können diese in ihrer Betrachtungsweise von Leben und Tod schon bei den Koreanern im Altertum finden. Für sie waren Leben und Tod nicht zwei separat, entgegengesetzte Realitäten. Denn der Tod bedeutet nicht das Ende des Lebens, sondern ein Übergang in ein anderes Leben. Auch vom Gesichtspunkt der Vereinigungsphilosophie ist der Tod eigentlich die Geburt zu einem neuen Leben höherer Dimension. Menschen mögen sterben, aber niemals aufhören zu existieren. Die Erkenntnislehre der Han-Philosophie versucht also immer alle Dinge in ihrer Gesamtheit, als eine Einheit ihrer Bestandteile sowie dessen Zusammenwirken untereinander zu erfassen.

In der Han-Philosophie beruht der Standard des Guten in einem Gesichtspunkt der vereinigten Gesamtheit. Sie betrachtet den Herrscher (also den Regenten) eines Landes und das Volk, das von ihm regiert wird, nicht als zwei separate Realitäten. Sie erlaubt nicht die Logik, dass es dem Volk schlecht geht und unglücklich ist, während der Regent im Überfluss lebt und sich vergnügt. Der Regent und das Volk können nicht in einem entgegengesetzt polarisierten Verhältnis stehen.

Daher müssen wir den ultimativen Gesamtzweck, der Gemeinzweck, der universell begründet ist, erkennen und uns darauf ausrichten. Die Individualität, das individuell Charakteristische einer Einzelperson, bzw. Interessensgruppe soll ja nicht völlig aufgehoben werden. Ganz im Gegenteil, die Individualität nimmt in der Vereinigungsphilosophie einen hohen Stellenwert ein. Denn gerade diese individuelle Charakteristik in ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit und Vielfältigkeit ist ein unentbehrlicher Bestandteil, was die Erfüllung des ursprünglichen Schöpfungssinnes, den ewigen Kreislauf der Erzeugung immerwährender Freude, garantiert.

Offenbart sich nicht gerade im Bereich der Musik, um ein reales Beispiel eines Orchesters anzuführen, die Verwirklichung des göttlichen Ideals eines harmonischen, friedvollen Zusammenlebens? Obwohl in einem Orchester die Musiker verschieden Instrumente spielen, so gibt es doch etwas was sie gemeinsam spielen, nämlich das Musikstück. Es ist das Musikstück, das sie miteinander verbindet zu einem harmonischen Ganzen. Was wäre wenn jeder Musiker zur gleichen Zeit und am gleichen Ort nicht nur sein eigenes Instrument, sondern auch sein eigenes Musikstück spielen würde?

Ein Chaos, ein Durcheinander, eine große Unordnung. Genau dieses Spiegelbild können wir im gewissen Sinne auf unsere Gesellschaft übertragen. Was wir für die Verwirklichung des Wahren Friedens in dieser Welt brauchen, ist ein übergeordnetes universelles Gesamtheitskonzept, in dem jeder Einzelmensch, Familie, Interessensgruppen der Gesellschaft, Nationen ihre entsprechende Rolle einnehmen und seinen entsprechenden Platz finden kann. Und dieses Gesamtheitskonzept eines friedlichen Zusammenlebens, in dem das Glück und die Freude für jeden garantiert ist, kann uns niemand anderer vermitteln als Gott, der Schöpfer selbst.

Kategorie: Friedensphilosophie, Themen

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