Die Bedeutung des Begriffs „Frieden“

IVP | 31. Januar 2011 | 0 Kommentare

Der Begriff „Friede“ wird einerseits im alltäglichen Verständnis im Sinne eines Zustandes als die „Abwesenheit von Krieg“ verstanden. Die Friedens- und Konfliktforschung fasst den Begriff jedoch weiter. Sie unterscheidet zwischen dem negativen Frieden als der Abwesenheit direkter, personaler, durch ein Subjekt-Objekt-Verhältnis gekennzeichneter Gewaltanwendung und dem positiven Frieden, der sich auf einen politisch-gesellschaftlichen Ideal-Zustand bezieht. Dieser hängt von den moralisch-ethischen Grundannahmen und Normen, von den gesellschaftlichen und politischen Wertvorstellungen des Einzelnen oder der Gruppe, die sich mit dem Inhalt des Friedensbegriffs jeweils auseinander setzen, ab. Folglich gibt es im Prinzip so viele positiv-inhaltliche Umschreibungen von Frieden, wie es Gesellschafts- und Politikmodelle, Weltanschauungen und Glaubensbekenntnisse gibt.

Andererseits wird  „Friede“ entweder begriffen als kosmisches Ordnungsprinzip, als überhistorischer, gleichsam konzentrierter Ausdruck einer Weltordnung. Diese findet ihren letzten Legitimationspunkt erst in Gott, dann in der allen Menschen natürlich gegebenen Vernunft. Schließlich: im Kontext des ersten Argumentationszuges erscheint der Krieg als Unterbrechung, als Störung des naturwüchsigen Friedens. In der zweiten Traditionslinie ist der Krieg – Folge menschlichen Verfehlens und sündhaften Verhaltens aufgrund der  Willensfreiheit. Schon diese unterschiedlichen Positionen in der dualen Argumentationskette zeigen, dass es eine geschichtliche Epochen übergreifende, vom jeweiligen ethisch-normativen und/oder politisch-philosophischen Kontext losgelöste Allgemeindefinition von Frieden nicht gibt.

Der indianische Friedensprophet Arhomyus az Zylawinos Häuptling Chyunkujoma, so genannter Weißer Adler, der letzte Häuptling des Volkes Quanquitunga, brachte in seiner Friedensbotschaft folgendes über den Begriff „Frieden“ zum Ausdruck: „FRIEDEN ist der höchste Überbegriff für alle inneren positiven Eigenschaften und für alle inneren Wünsche, wie zum Beispiel der Wunsch, glücklich zu sein, oder der Wunsch, sein Glück zu suchen. FRIEDEN hat eine nicht anerkannte Philosophie, und dies ist die Philosophie des FRIEDENS selbst. FRIEDEN-HABEN bedeutet, dass der Mensch die Einheit von Seele, Geist und Körper hat. Die Philosophie des FRIEDENS kommt aus der Seele, und die Philosophie des FRIEDENS ist für jeden Menschen persönlich bestimmt worden“.

Welchen Stellenwert nimmt der Friede in der Vereinigungsphilosophie ein? Bevor ich darauf eingehe, möchte ich kurz einige Gedanke über den Ursprung der Vereinigungsphilosophie (kor. 統一思想 “Tongil Sasang”; eng. “Unification Thought”) erläutern. Sie ist das Gedankengut von Rev. Moon, das auf einer Offenbarung des Wortes Gottes beruht und von Dr. Sung Hun Lee, dem ehemaligen Präsidenten des Unification Thought Instituts von Korea, systematisiert wurden. Er stammt aus einer konfuzianischen Familie und sein Vater war ein konfuzianischer Gelehrter und Patriot, der sich aktiv an der Unabhängigkeitsbewegung Koreas einsetzte. „Tongil Sasang“ ist viel mehr als nur eine Philosophie, denn sie beinhaltet nicht nur philosophische, sondern auch theologische  Aspekte. Sie ist eine allumfassende Standard- und Reformtheorie. Es werden alle zentralen Themen entsprechend der herkömmlichen Philosophie behandelt. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Theorie des Urbildes ein, wo ausführlich auf das Wesen Gottes eingegangen wird, aber auch die Seinslehre (Ontologie)  sowie die Theorie der ursprünglichen menschlichen Natur spielen eine wesentliche Rolle. Im Rahmen dieses Vortrages werde ich besonders in Bezug auf das Thema  „Friede“ auf relevante Stellen eingehen.

Rev. Dr. Sun Myung Moon präsentiert seinen fundamentalen Vorschlag zur Verwirklichung des Friedens innerhalb eines Kontextes von Einzelperson, Familie, Gesellschaft, Nation und Welt. Er hebt die Notwendigkeit der Religionen hervor, die sich mit Herz und Geist befassen, sich zu versöhnen und zu vereinigen. Die kostbaren Lehren unserer Religionen sind Quellen der Weisheit, die in der Menschheitsgeschichte immer ein Licht der Hoffnung waren. Um die Ideologie des Friedens Substanz werden zu lassen, setzte er zahlreiche Aktivitäten zur Vereinigung der Religionen. Er gründete unzählige Organisationen zur Förderung einer Friedensbewegung, die zurecht das Markenzeichen “Weltfriede” tragen, wie die „Internationale Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung“ (IFFWFV), die Interreligiöse und Internationale Föderation für den Weltfrieden (IIFWF), die Frauenföderation für den Weltfrieden (FFWF), die Jugendföderation für den Weltfrieden (JFWF), die Weltfriedensakademie für Professoren(PWPA) um nur einige zu nennen.

Die Bedeutung des Begriffs „Friede“ in der Vereinigungsphilosophie

Das koreanische Wort für „Frieden“ birgt eine tiefe Bedeutung in sich. Es besteht aus zwei chinesischen Schriftzeichen. Das eine heißt: 平 [Pyong] und das andere 和 [Hwa]. Das Zeichen „Pyong“ bedeutet „horizontal“, „Gleichheit“,  „Ausgeglichenheit“ und „Hwa“ bedeutet „Harmonisieren“, „harmonisch“, Übereinstimmung, Einigkeit“. Man könnte auch sagen, Pyong symbolisiert den Frieden auf der individuellen Ebene, den Frieden im Einzelmenschen und „Hwa“, das im eigentlichen Sinn Familienmitglieder im harmonischen Austausch beim Esstisch bedeutet, symbolisiert den Frieden auf der familiären Ebene, zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern sowie den Geschwistern untereinander.

Dieser Begriff kommt in seiner Bedeutung genau dem eigentlichen Sinn des Friedensbegriffes in der Vereinigungsphilosophie nahe. Nämlich versteht die Vereinigungsphilosophie die Wahre Bedeutung des Friedens  in der Verwirklichung der vertikalen Geist-Körper-Einheit im Einzelmenschen und auf horizontaler Ebene in der Familie als Ehemann und Ehefrau sowie als Eltern und Kinder durch die Realisation von Gottes Schöpfungsideals eines vollkommenen, ausgeglichenen harmonischen Lebens in Übereinstimmung mit den Willen Gottes durch seine Wahre Liebe.

Kategorie: Aktuell, Friedensphilosophie, Themen

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